Wissen

Content-Erstellung mit KI: Welche Schritte Ihr Ablauf halten muss

Content Pipelines

Neuneinhalb Minuten hat die Maschine für den Entwurf unseres Beitrags über KI-Einheitstext gebraucht. Faktenchecks und Korrekturen durch weitere KI-Agenten dauerten danach gut 18 Minuten, meine eigene Prüfung bis zur Freigabe 42 Minuten. Das bedeutet: Bei unserer Content-Erstellung mit KI kostet das Schreiben die wenigste Zeit, das Prüfen die meiste. Über die Qualität entscheidet, welche Schritte man beschleunigt und welche man besser beibehält.

Dass diese Frage weit über unsere Werkstatt hinausreicht, zeigt die Blogging-Umfrage 2026 von Orbit Media. Der Anteil der Content-Marketer mit starken Ergebnissen ist eingebrochen, und Orbit erklärt das mit einem Muster: Die wirksamsten Praktiken für Content-Qualität werden seltener genutzt, die schwächsten dafür umso häufiger. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie bei der Content-Erstellung mit KI hochwertige Inhalte erstellen und KI-Slop vermeiden.

Schnell, schneller, KI-Slop: Was bei der Content-Erstellung mit KI zuerst wegfällt

Orbit Media befragt seit 2014 jedes Jahr Content-Marketer, für die Ausgabe 2026 haben 1.042 von ihnen geantwortet. Die Eckdaten zu KI-Nutzung und Schreibzeit haben wir im Beitrag Was ist eine Content Pipeline? eingeordnet. Konkret geht es um Orbits Erklärung für den Einbruch der Content-Qualität. Demnach werden Strategien, die mit starken Ergebnissen einhergehen, heute seltener genutzt. Häufiger geworden sind hingegen alle Strategien, die mit schwachen Ergebnissen einhergehen.

Laut Orbits Daten liegt der Qualitätsverlust nicht am KI-Einsatz in der Content-Produktion. Denn wer KI nutzt, erzielt genauso oft starke Ergebnisse wie jemand, der darauf verzichtet. Auf der schwachen Seite taucht sie jedoch genau dort auf, wo sie den menschlichen Lektor ersetzt. Gestrichen haben Menschen. Die Maschine liefert den Rest zwar schneller aus, allerdings in schönster Slop-Tradition: oberflächlich und generisch.

Kurios! Warum es ausgerechnet die wirksamsten Qualitätsgaranten in der Content-Erstellung mit KI trifft

Orbit vermutet hinter diesem kuriosen Phänomen die Suche nach Abkürzungen. Warum diese Abkürzungen ausgerechnet an Lektorat, Keyword-Recherche und eigener Forschung vorbeiführen, wird in der Umfrage nicht erklärt. Meine Hypothese: Der Aufwand der genannten Arbeiten kostet Zeit. Und das macht sich dann im Kalender oder direkt im Budget bemerkbar. Ihr Nutzen zeigt sich hingegen erst später.

Ein Beispiel ist das Lektorat: Ja, es verzögert die Veröffentlichung, denn das Gegenlesen und Faktenchecken ist zeitaufwendig. Was konkret verhindert wird, erscheint in keinem Report: die falsche Zahl, die nicht belegte Behauptung oder der schiefe Satz im Beitrag für den wichtigsten Kunden. Die Folge: Wer die Abkürzung bei der Content-Erstellung mit KI nutzt, vernachlässigt zuerst die Arbeit, deren Nutzen sich nicht sofort zeigt.

Wir alle kennen das: Beim Auto ist das im übertragenen Sinne die Inspektion inklusive Ölwechsel. Die Ersparnis sieht man sofort. Den Motorschaden bringt ein Jahr später niemand mehr mit dem gestrichenen Werkstatttermin in Verbindung.

Diese Lesart wird durch zwei Zahlen gestützt. Die erste stammt aus der Orbit-Umfrage selbst: 18 Prozent der Befragten wissen nicht, ob ihre Inhalte überhaupt Ergebnisse liefern, geschweige denn, welche das sind. Im Jahrzehnt davor lag dieser Anteil laut Orbit stets zwischen 9 und 14 Prozent. Das passt ins Bild. Wer die Wirkung seines Contents nicht sieht, kann auch keine Arbeit wertschätzen, die sich erst in der Wirkung zeigt.

Die zweite Zahl zeigt, wohin der Druck, den Wert des Marketings zu belegen, die Prioritäten verschiebt. Sie stammt aus The CMO Survey, einer seit 2008 laufenden Befragung von Marketingverantwortlichen in US-Unternehmen, die von der Fuqua School of Business der Duke University, Deloitte und dem US-Marketingverband AMA gesponsert wird. Im Januar 2026 ging es in der Umfrage um die Frage, wie das Marketing mit gestiegenem Druck umgeht. 70,6 Prozent der Antwortenden gaben an, kurzfristige Wirkung über langfristige Erträge zu stellen. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Zahl gilt für das Marketing allgemein und stammt aus den USA. Trotzdem zeigt sie die Richtung.

Dass gewonnene Zeit in alten Abläufen versickern kann, beschreibt die Redaktion des Podcasts „AI FIRST“ in der Folge mit Sarah Engel, Head of Artificial Intelligence bei TRUMPF. In der Folgenbeschreibung heißt es: „Wer mit KI schneller Texte, Präsentationen oder Zusammenfassungen erstellt, spart individuell Zeit. Diese Zeit kann in alten Prozessen, Freigabeschleifen und Schnittstellen wieder verloren gehen.“ Das ist die Kehrseite: Gewonnene Zeit versickert in Schleifen, in denen niemand entscheidet. Eine Station mit klarem Kriterium und einem Verantwortlichen hält das Tempo, drei Freigaben ohne Zuständigkeit bremsen es.

Deshalb arbeiten wir bei PR DESK mit verbindlichen Qualitäts-Gates, die unter keinen Umständen übersprungen werden dürfen. An ihnen wird direkt am jeweiligen Content-Asset entschieden. Nicht selten führt das Gate dann zu einer neuen Produktionsrunde samt Iterationen.

Meine Einschätzung: Das Muster des Weglassens erfolgskritischer Prozessschritte kenne ich noch aus dem Tageszeitungsjournalismus. Früher gab es dort eigene Endredaktionen, die sich ausschließlich um das Korrektorat kümmerten, also das Gegenlesen auf potenzielle Fehler. In den 1990er-Jahren wurden sie in vielen Verlagen jedoch aus Kostengründen gestrichen. Das Ergebnis waren mehr Rechtschreibfehler, grammatikalische Pannen und falsche Daten. Gespart wurde, was im Stellenplan sichtbar war. Was die Korrektoren zuvor verhindert hatten, fiel erst auf, als sie nicht mehr da waren.

Wer diese Strategien bei der Content-Erstellung mit KI anwendet, erreicht bessere Ergebnisse

Wie eng qualitative Ergebnisse mit der Kombination mehrerer Strategien zusammenhängen, zeigt ebenfalls Orbit

Anschließend hat Orbit die Befragten danach sortiert, wie viele von ihnen diese acht Strategien nutzen, und für jede Gruppe ausgezählt, wie viele von starken Ergebnissen berichten. Die Grafik zeigt das Ergebnis:

Säulendiagramm: Anteil der Content-Marketer mit starken Ergebnissen nach Zahl der genutzten Strategien, von 4 Prozent bei null oder einer bis 39 Prozent bei sechs oder mehr, Schnitt aller Befragten 14 Prozent. Quelle: Orbit Media 2026.
Je mehr der acht Strategien ein Content-Programm nutzt, desto häufiger melden die Verantwortlichen starke Ergebnisse. Daten: Orbit Media, Blogging Statistics 2026.

Von den Befragten, die keine oder nur eine der acht Strategien nutzen, melden 4 Prozent starke Ergebnisse. Mit jeder weiteren Strategie steigt der Anteil, bis auf 39 Prozent in der Gruppe mit sechs oder mehr. Das ist fast dreimal so viel wie im Schnitt aller Befragten, der bei 14 Prozent liegt. Diese Spitzengruppe ist allerdings klein: 36 der 1.042 Befragten. Alle acht Strategien nutzt niemand.

Für die Praxis bedeutet das: Qualitativ hochwertige Ergebnisse gehen mit einem ganzen Bündel an Arbeit in Orbits Daten einher. Gerade dieses Bündel schrumpft jedoch, wenn beim Beschleunigen ein Prozess nach dem anderen wegfällt.

Unsere Zeitwerte: schnell geschrieben, aber lange geprüft

Wo das Tempo in einer KI-gestützten Produktion tatsächlich landet, zeigen unsere eigenen Daten. Wir erfassen in unseren Produktionsläufen, wie lange Maschine und Mensch an den einzelnen Arbeitsgängen sitzen. Zwei Beispiele aus unseren Wissensbeiträgen:

ArbeitsgangKI-Einheitstext vermeidenWas ist eine Content Pipeline?
Entwurf durch die Maschine9 Min 30 s11 Min samt Prüfung auf Sprachmuster
Maschinelle Prüfung und Korrektur18 Min 14 s33 Min Faktenprüfung, dazu rund 32 Min Prüfschleife in der Endredaktion
Meine Lektüre und Freigabe42 Min40 bis 50 Min Lektüre und Verdikt, dazu rund 1,5 Std Endabnahme in WordPress

Was die Tabelle zeigt, ist die Verteilung. Der Entwurf kostet Minuten, Prüfung und Freigabe kosten ein Vielfaches davon. Bei beiden Beiträgen habe ich länger gelesen, als die Maschine geschrieben hat. Und genau an dieser Stelle sparen wir bewusst nicht. Dahinter steht eine Regel, die wir im Beitrag KI-Content: Was Maschinen im B2B übernehmen dürfen und was Menschen entscheiden müssen hergeleitet haben: Was sich leicht rückgängig machen lässt, darf die Maschine übernehmen. Was nach der Veröffentlichung in der Welt steht, prüft ein Mensch.

Hier die Streichprobe für Ihren eigenen Ablauf

Die acht Orbit-Maßnahmen taugen als Prüfliste für den eigenen Ablauf. Stellen Sie zu jeder drei Fragen: Hängt der Schritt an einer Person oder an einem festen Gate? Darf an dieser Stelle jemand ein Content-Asset stoppen? Und wird gemessen, was diese Arbeit bewirkt? Die Spalten der Tabelle sind unsere Einordnung:

StrategieFeste Station, wenn …Warnsignal
Aufwand je BeitragUmfang und Zeitbudget im Auftrag stehen, bevor jemand schreibtDas Zeitbudget ergibt sich aus dem, was vom Tag übrig ist
Kooperationen und Zitatedas Gespräch mit Fachleuten einen Termin im Ablauf hatZitate kommen, wenn gerade jemand Zeit hat
Visuelle Elementedie Grafikidee im Briefing stehtDas Bild wird kurz vor der Veröffentlichung gesucht
Keyword-RechercheSuchbegriff und Suchintention vor dem ersten Satz feststehenDas Keyword wird nachträglich in den fertigen Text gestreut
Formateaus einem Kernthema mehrere Formate geplant sindJedes Format beginnt bei null
Eigene Forschungfeststeht, welche eigenen Daten erhoben werdenEigene Daten entstehen nur als Nebenprodukt
Lektorateine benannte Person vor der Freigabe liest und zurückgeben darfWer schreibt, gibt auch frei
PromotionBudget und Kanal vor der Veröffentlichung feststehenPromotion heißt, den Link einmal auf LinkedIn zu teilen

Jede Zeile, in der Sie das Warnsignal wiedererkennen, markiert eine Arbeit, die beim nächsten Engpass als Erste fällt.

Bei uns sind drei der acht Strategien feste Bestandteile des Content-Prozesses mit KI. Suchbegriff und Suchintention werden im Briefing festgelegt, bevor mit dem Schreiben begonnen wird. Jeder Beitrag durchläuft ein formales Lektorat mit Faktenprüfung und meiner Beurteilung. Zudem veröffentlichen wir eigene Forschung aus Selbsttests. Hinzu kommt die Messung der Content-Performance, da sie zeigt, ob die Strategien wirken.

Feste Gates halten dem Kalender stand. Warum? Weil sie erfolgskritisch sind

Der volle Kalender: Aufgaben ohne feste Station rutschen beim ersten Engpass heraus, die Stationen bleiben.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt: Neuneinhalb Minuten für den Entwurf, 42 Minuten für meine Prüfung: Dieses Verhältnis ist Absicht. Eine Aufgabe fällt beim ersten vollen Kalender durch, wenn sie nur als guter Vorsatz im Kopf einer Person existiert. Steht sie jedoch als Station im Ablauf und darf ein Asset stoppen, dann bleibt sie bestehen – selbst wenn es eilt. Orbit beschreibt die kleine Minderheit der Content-Produzenten, die anders arbeiten und über feste Bestandteile verfügen. Experten, Gastbeiträge, Studien und Veranstaltungen sind dort fest ins Programm eingebaut. Wie unsere Stationen im Alltag arbeiten, zeigen wir mit echten Beweisstücken auf der Seite zum Proof of Concept.

Denn bei der Content-Erstellung mit KI ist eines unverhandelbar: Das Tempo liefert die Maschine. Die einzelnen Stationen bleiben jedoch bestehen, da sie die Qualität der jeweiligen Content-Assets bedingen.

Quellen: Orbit Media, „Blogging Statistics 2026: What 1,042 Content Marketers Told Us About What Works“ · The CMO Survey, Highlights and Insights Report 2026, S. 5, 6 und 46 · AI FIRST #101, „KI bei TRUMPF“, Episodenseite, 18.09.2026 · Eigene Baseline-Daten PR DESK zu den Beiträgen „KI-Einheitstext vermeiden“ und „Was ist eine Content Pipeline?“

Aus Ihrem Fachwissen wird ein Content-System. Lassen Sie uns klären, welches Thema Ihre erste Content Pipeline trägt. Erstgespräch vereinbaren →